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»Musikalisch auch an die Kindheit erinnert - Pianistin Johanna Borchert gibt grandioses Konzertes in der restlos ausverkauften Ritterhuder Jazzmühle

Ihr umjubeltes Debüt als Solistin feierte die Pianistin Johanna Borchert während eines grandiosen Konzertes in der restlos ausverkauften Ritterhuder Jazzmühle. Trotz widriger Witterungsverhältnisse waren viele Besucher gekommen, die die in Ritterhude aufgewachsene Musikerin seit Kindertagen begleitet haben. Gäste saßen auf Klappstühlen oder drängten sich auf den Treppenstufen. Auch Stehplätze in der ersten Etage, auf denen man zwar hören aber nicht sehen konnte, waren heiß begehrt. Alle wollten hören, was die hoch gewachsene schlanke Musikerin mit den langen roten Haaren, die in Berlin, Kopenhagen, Indien und den USA studierte, heute zu bieten hat. Und sie wurden nicht enttäuscht. Ohne sich von stilistischen Grenzen einengen zu lassen jonglierte Johanna Borchert experimentierfreudig mit dem breiten Spektrum der musikalischen Einflüsse, die sie geprägt haben. Ob Improvisation mit Tasten und Stimme, Bearbeitung von Jazzstandards Eigenkomposition oder indische Musik - das Publikum lauschte versunken den verträumten Parts und ging bei temperamentvollen Passagen mit. Begeistert wurde zum Beispiel das brandneue Stück "Wide Land" aufgenommen. Dazu ließ sich die junge Komponistin während ihres Aufenthaltes am Mills College in Kalifornien auf der Bahnfahrt von San Francisco nach Los Angeles inspirieren. Bluessänger Big Daddy Wilson aus North Carolina, der im Publikum saß, zeigte sich beeindruckt: "Sie hat die Stimmung dieser langsam dahin gleitenden Züge ganz genau getroffen." Auch das indische Schlaflied, das Johanna Borchert als Zugabe sang, fand sein Lob. Die Ritterhuder Chansonette Gabriele Banko war bei der Abschlussprüfung Borcherts in Kopenhagen dabei und beschreibt die Künstlerin als besonders vielseitig. Sie ist sicher: "Die wird ihren Weg machen. So zu spielen und dazu zu singen - das hat eine Eigendynamik, die über Begleitung weit hinaus geht." Schon in der Grundschule habe sich die Begabung ihrer Schülerin gezeigt schwärmte die ehemalige Grundschullehrerin Borcherts: "Es ist phantastisch. Sie ist ein begnadeter Mensch." Als überraschungsgast aus Kopenhagen präsentierte Johanna Borchert nach der Pause die Sängerin Clara Bryld. Vierhändig am Klavier, Finger schnippend und a capella trugen die beiden eine originelle Hymne an das Fahrrad vor und überzeugten mit Balladen wie "I'll be there" oder "Blackbird singing in the dead of night". "Ich ging immer Hand in Hand mit meinem kleinen Bruder durch die Schillerstraße in Ritterhude zum Kindergarten Bunkenburgsweg. Diese Erinnerung hat mich zu dem Stück 'together we where fearless' inspiriert, erinnert sich die 27jährige Arzttochter, die bis zu ihrem 12. Lebensjahr in der Hammegemeinde lebte und in Vegesack Abitur machte. Schon als 14jährige kam ihr der Gedanke, Musik zu ihrem Beruf zu machen. "Meine Eltern haben mich immer ermutigt und extrem gefördert. Ich hatte Klavierunterricht an der Musikschule Osterholz-Scharmbeck und war später oft Gast im KITO" erinnert sie sich. Nach dem Abi bestand sie die Aufnahmeprüfung bei drei Musikhochschulen und entschied sich für Berlin. "Ich habe zwar eine klassische Grundausbildung. Aber das hat mir nicht gereicht. Ich wollte meine eigenen Töne spielen. Deshalb habe ich mich für den Jazz entschieden" gesteht die Künstlerin, die mit unterschiedlichen Formation durch die Welt tourt und heute in Kopenhagen lebt.«
(Ilse Okken)